Der Langeländer Pølse Flue – Die Seeringelwurm-Imitation

Die Idee auf Langeland – Entstehung der Seeringelwurm-Imitation
Im Frühjahr 2013 in einem Ferienhaus auf der Insel Langeland hatte ich die Idee, eine attraktive Seeringelwurm-Imitation zu entwickeln und zu binden.
Diese Fliege sollte zuverlässig Meerforellen in sehr kaltem Ostseewasser zwischen 0 und 6 °C fangen.
Außerdem sollte sie sich langsam und verführerisch durch das Wasser bewegen und eine ansprechende Silhouette in Form, Farbe und Größe abgeben.
Mit den nötigen Bindematerialien lässt sich der Langeländer Pølse Flue mit etwas Übung selbst binden.
Materialliste für den Langeländer Pølse Flue
- Haken: F16 Gamakatsu, Gr. 4
- Bindefaden: Transparenter monofiler Faden
- Beschwerung: 0,35 mm Bleidraht (ca. 2 × 3 - 4 mm lang)
- Schwanz: Lange Marabufeder-Segmente (braun)
- Körper: Synthetik-Dubbing (braun), zwei Latexstreifen (braun, ca. 3 - 4 mm breit) in ausreichender Länge sowie ein Synthetikfaden für den Körperunterbau
- Hechel: Lange, feine Hahnenhechel (schwarz)
- Rippung: ca. 20 cm – 0,22 mm Monofil und ein wasserfester Stift (schwarz) zum Einfärben der Schnur
- Kopf: Ultra Chenille (schwarz), Standardgröße M
- Hilfsmittel: Bindelack, schwarzer wasserfester Stift
Bindeanleitung für den Langeländer Pølse Flue
1. Die Grundwicklung mit monofilem Faden
Die Grundwicklung mit Mono auf der gesamten Länge des Hakenschenkels ausführen und mit Bindelack sichern.
2. Die Beschwerung für die waagerechte Balance
Anschließend ca. 2 × 3 - 4 mm lange Bleistränge aus 0,35 mm (je nach Bedarf) unterhalb und mittig auf etwa 1/3 von vorne des Hakenschenkels gesehen nebeneinander einbinden und fixieren. Anschließend alles mit Bindelack sichern.
Durch die Bleigewichtung im vorderen Drittel des Hakenschenkels hält die Pølse Flue in der Absinkphase bei gespannter Schnur beim Fischen die waagerechte Balance im Wasser.
3. Der Marabu-Schwanz für attraktives Köderspiel
Als Schwanz werden lange Marabufeder-Segmente (braun) eingebunden.
Anschließend wird der Schwanz mit zusätzlichen Wicklungen vom Hakenbogen weggebunden, um beim Fischen Verwicklungen zu vermeiden.
Der lange Schwanz aus Marabu fördert bei eingebauten Stopps das attraktive Köderspiel unter Wasser.
4. Die Latexstreifen vorbereiten und einbinden
Zwei braune Latexstreifen (ca. 3 - 4 mm breit) auf passender Länge zuschneiden. Die Länge des Hakenschenkels dient als Vorlage.
Die Latexstreifen werden senkrecht zur Hakenspitze knapp hinter dem Marabu-Schwanz ober- und unterhalb des Hakenschenkels hinten eingebunden.
Das kann am Anfang ein wenig knifflig sein.
5. Die Rippung für die Körpersegmente vorbereiten
Ein Stück Monofil (ca. 20 cm lang, 0,22 mm stark) am Hakenbogen einbinden und mit einem wasserfesten Stift schwarz färben. Mit diesem Faden werden nachher die einzelnen Körpersegmente nachgebildet.
6. Die Hahnenhechel vorbereiten
Nun wird eine schwarze, lange Hahnenhechel mit der Spitze voran ebenfalls am Schwanzende eingebunden.
7. Der Körperaufbau mit Synthetik-Faden und Dubbing
Ich benutze für den Körperaufbau als Füllmaterial einen Synthetikfaden, den ich gleichmäßig in 1 - 2 Lagen, je nach Stärke des Fadens, stramm und gleichmäßig um den Hakenschenkel binde.
Das spart einiges an Dubbingmaterial für den gesamten Körperbau.
Ein stramm gebundener Synthetikfaden saugt außerdem weniger Wasser auf. Deshalb lässt sich der Langeländer Pølse Flue mit einer Fliegenrute der Klasse #7 angenehm an der Küste werfen.
Anschließend wird das braune Synthetik-Dubbing gleichmäßig von hinten nach vorne bis etwa einen Zentimeter vor das Hakenöhr eingebunden.
Vorne lasse ich für den schwarzen Kopf noch den nötigen Abstand zum Öhr.
Den Langeländer habe ich im Laufe der Zeit in verschiedenen braunen und lila Farbvarianten gebunden. Alle diese Farbvarianten fangen Fische.
8. Die Hahnenhechel einbinden
Anschließend wird die Hahnenhechel in gleichmäßigen Abständen ebenfalls bis ca. 8 mm vor das Hakenöhr eingebunden und gesichert.
9. Die Hechelfasern für ein langsames Bewegungsmuster aufteilen
Nun werden die schwarzen Fibern der Hahnenhechel gleichmäßig zu beiden Seiten, also rechts und links, geteilt.
Um ein langsames Bewegungsmuster zu erzeugen, sind nachher alle Hechelfasern rechts und links an beiden Körperseiten gleichmäßig eingebunden.
10. Den Latex-Rücken und Bauch für den Flügeleffekt nach vorne binden
Nun werden unter leichtem Zug die Latexstreifen nach vorne hin eingebunden. Erst die Unterseite, dann die Oberseite.
Es ist darauf zu achten, dass die schwarzen Hechelfasern zu gleichen Teilen gleichmäßig links und rechts am Körper von den Latexstreifen flach nach außen gedrückt werden.
Dadurch stehen alle Hechelfasern seitlich ab. So kann die Fliege nachher wie auf Flügeln durch das Wasser gleiten.
11. Die Körpersegmentierung formen und einbinden
Die schwarz eingefärbte Monoschnur wird vorsichtig zwischen den einzelnen Hechelfasern geführt, um die Segmentierung der Fliege zu binden.
Darauf ist zu achten, dass die einzelnen Körpersegmente in gleichmäßigen Abständen auf den Latexstreifen abgebildet werden.
12. Den schwarzen Kopf und die Beißwerkzeuge einbinden
Der Kopf des Seeringelwurms wird mit schwarzer Chenille (Gr. M) geformt und bildet den Abschluss der Fliege.
Arttypische Merkmale wie die schwarzen Beißwerkzeuge am Kopf und die zahlreichen Beine an beiden Körperseiten sind bewusst größer gebunden, um einen guten Kontrast und eine eigene Dynamik im Wasser zu entwickeln.
13. Der Abschluss mit Bindelack
Nach dem Abschlussknoten wird die Fliege mit Bindelack gesichert.

Der Langeländer Pølse Flue: Das Geheimnis des schwarzen Kopfes
Stehend im Wasser fischte ich im Uferbereich an der Küste mit der Fliegenrute. Ich beobachtete vor mir im Wasser ein paar sich langsam fortbewegende Seeringelwürmer.
Ich wurde live Zeuge, wie sich überraschend seitlich von mir eine Meerforelle näherte. Plötzlich schwamm die Meerforelle auf einen Seeringelwurm zu, um ihn im selben Moment hastig am Stück zu inhalieren (zu verschlingen).
Dieses Fressverhalten der Meerforelle beobachtete ich noch mehrmals in kurzen Zeitabständen.
Ich dachte nur: Warum inhaliert die Meerforelle den Wurm so schnell?
Der Seeringelwurm ist doch eine leichte Beute.
Ich interpretiere das Verhalten der Meerforelle so: Am Kopf der Seeringelwürmer befinden sich schwarze, wehrhafte Beißwerkzeuge. Bei Bedrohung und Gefahr fahren die Würmer diese Beißwerkzeuge aus und können Angreifern schmerzhafte Verletzungen zufügen.
Die Meerforellen kennen dieses Abwehrverhalten der Seeringelwürmer genau und wissen um das Risiko, verletzt zu werden. Im Laufe der Evolution haben die Meerforellen gelernt, das Schwarze am Kopf der Seeringelwürmer als optisches Warnsignal zu erkennen:
Beißwerkzeuge – Achtung Gefahr!
Die vorherige Live-Beobachtung am Wasser erklärte mir auch die schnelle und hastige Fressgeschwindigkeit der Meerforelle. Die Fische haben ihr Fressverhalten den Gefahren angepasst.
Durch das schnelle Inhalieren des Seeringelwurms mindert die Meerforelle das Risiko, durch die Beißwerkzeuge z. B. an den empfindlichen Kiemenbögen verletzt zu werden. Seit diesem Schlüsselerlebnis an der Küste binde ich alle meine Wurmimitationen mit einem kleinen sichtbaren, meist schwarzen Kopf.
Ein schwarz gebundener Kopf bei den Wurmfliegen signalisiert den Meerforellen dauerhaft: Achtung Gefahr = schnelles Fressen des Seeringelwurms, um Verletzungen zu vermeiden.
Die wenigen Fehlbisse über einen langen Zeitraum bestätigen mir, Würmer mit schwarzem Kopf an der Küste zu fischen.
Taktik & Köderführung des Langeländer Pølse Flue
Das Design und der Effekt:
Durch die seitlich abstehenden Hechelfibern gleitet die Pølse Flue wie auf Flügeln verführerisch durch das Wasser. Ziel ist es, den Fischen bei sehr kalten Wassertemperaturen diese Seeringelwurmfliege langsam und attraktiv zu präsentieren.
Warum?
Die Meerforellen sind bei diesen kalten Wassertemperaturen meist träge unterwegs. Deshalb fische ich die Pølse Flue in langen, langsamen Zügen. Eingebaute Pausen (Stopps) von ca. 2–3 Sekunden bei gespannter Fliegenschnur sind ideal.
Die gespannte Schnur sichert dabei den direkten Kontakt zur Fliege, so kann man angemessen auf einen Biss reagieren.
Die rechts und links abstehenden Hechelfasern helfen dem Langeländer, sich in der Absinkphase langsam und natürlich durch die Wassersäule zu bewegen.
Diese Einholtechnik hat mehrere Vorteile. Erfolgreiche Angelplätze kann ich so sehr gründlich und intensiv abfischen.
Die Seeringelwurmfliege bleibt so länger attraktiv in der Beiß- Fangzone am Angelplatz sichtbar. So steigen die Chancen, dass träge Meerforellen der Wurmfliege folgen und im Idealfall zum Biss verleitet werden.
Häufig erfolgt der Biss genau in der Absinkphase der Wurmfliege. Diese Methode erfordert Geduld und Disziplin. Der ersehnte Biss entschädigt am Ende für vieles.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass trotz des langen Marabu-Schwanzes die Pølse Flue wenig Fehlbisse produziert. Der Langeländer wird häufig ohne Zögern inhaliert. Der Haken greift dabei meist sicher im Maul.
Genau unter solchen Bedingungen konnte ich an einem kalten Frühjahrstag an der Westküste der Insel Langeland eine große blanke Meerforelle mit dem Langeländer Pølse Flue fangen. Der Biss erfolgte im nahen Uferbereich, genau in der Absinkphase.Nach einem spannenden Drill konnte ich eine Meerforelle von 75 cm und 4,5 kg sicher landen.
Der Langeländer Pølse Flue hat schöne blanke Meerforellen zwischen 60 und 75 cm verführt. Auch Dorsche, Regenbogenforellen und Seeskorpione konnten dieser Fliege nicht widerstehen.

Namensgebung und der feste Platz in meiner Fliegendose
Unter den genannten Bedingungen ist die Pølse Flue seit Jahren meine erste Wahl an der Küste.
Deshalb hat der Langeländer Pølse Flue einen festen Platz neben Mika Fly und PG Reje (PG Garnele) in meiner Fliegendose.
Ich habe diesen Namen gewählt, weil ihre Silhouette mich mit etwas Fantasie an die bekannte Langeländer Wurst erinnert.
Einfach der Langeländer Pølse Flue.
Ein Wort zum Schluss ...
LANGELAND FLYFISHING ist mein Herzensprojekt!
Hier geht es mir um Information und Wissensaustausch. Deshalb zeige ich meine Fliegen genau so, wie sie sich im Laufe der Zeit entwickelt haben.
Ich teile gerne den Langeländer Pølse Flue mit euch – wenn ihr wollt, bindet ihn nach, fischt ihn und fangt eure Fische mit ihm. Über ein ehrliches Feedback freue ich mich sehr.
Gerne könnt ihr mir eure Erfahrungen und Fangerlebnisse über das Kontaktformular zusenden.
Ich wünsche euch an der Küste immer eine stramme Leine.
Petri Heil & Knæk og Bræk!
Andreas Jendrichowski – LANGELAND FLYFISHING
• Langeländer Pølse Flue
• Mika Fly
Diese drei Fliegen sind meine Privat- Muster und werden nicht gewerblich im Handel angeboten oder vertrieben.
Fachbeitrag & Veröffentlichung im Magazin FliegenFischen
Die Bindeanleitung und Geschichte zum Langeländer erschienen unter dem Titel:
Der Langeländer
Magazin FliegenFischen (Ausgabe 3/2019, ISSN: 0756-1612), JAHR MEDIA GmbH & Co. KG
